SOVIET RUSSIA'S COMMON CAUSE WITH NAZI GERMANY, 1939

DOCUMENTS' EXCERPTS IN ORIGINAL

Sources:
German: Archives of the German Foreign Office
French: Le Livre Jaune Français 1938-1939 (Paris 1939)

[1] ... Der Botschafter erklärte hierauf etwa folgendes: Die russische Politik sei immer geradlinig gewesen. Ideologische Meinungsverschiedenheiten hätten das russisch-italienische Verhältnis kaum beeinträchtigt und brauchten auch Deutschland gegenüber nicht zu stören. Sowjetrußland habe die jetzigen Reibereien zwischen Deutschland und den westlichen Demokratien nicht gegen uns ausgenützt und wünsche das auch nicht zu tun. Es bestehe für Rußland kein Grund, warum es nicht mit uns auf einem normalen Fuße leben sollte. Aus normalen Beziehungen könnten auch wachsend bessere werden.
Mit dieser Bemerkung, auf welche der Russe die Unterhaltung hingeführt hatte, beendete Herr Merekaloff das Gespräch. Er hat die Absicht, in den nächsten Tagen zu einem Besuch nach Moskau zu reisen.

[2] ... Entschluß hängt vermutlich damit zusammen, daß im Kreml Meinungsverschiedenheiten über Litwinows Verhandlungen entstanden sind. Grund für Meinungsverschiedenheiten dürfte in tiefem Mißtrauen liegen, daß Stalin gegenüber gesamten kapitalistischen Umwelt hegt. Auf letztem Parteikongreß mahnte Stalin zur Vorsicht, damit Sowjetunion nicht in Konflikte hineingezogen werde. Molotow (kein Jude) gilt als "engster Freund und nächster Mitarbeiter" Stalins. Seine Ernennung soll offenbar Gewähr dafür bieten, daß die Außenpolitik streng im Stalinischen Sinn fortgesetzt wird.

[3] ... Astachoff kam dann auf die Absetzung Litwinows zu sprechen und versuchte, ohne direkte Fragen zu stellen, zu erfahren, ob uns dies Ereignis zu einer veränderten Einstellung der Sowjetunion gegenüber bringen würde.

[4] ... Die neuerdings geübte Zurückhaltung der deutschen Presse Sowjetrußland gegenüber sei ja auch der Auslandspresse bereits aufgefallen.

[5] ... Pensez-vous donc qu'Hitler engagera la partie sans avoir tous les atouts en mains? Ce serait contraire à sa maniére qui lui a valu tous ses succés précédents, acquis sans coup férir.
N'avez-vous pas été frappé dans son dernier discours par le fait qu'il n’a fait aucune allusion à la Russie? N'avez-vous par remarqué la façon compréhensive dont la presse de ce matin - qui a d'ailleurs reçu des instructions précises à cet égard - parle de M. Molotov et de la Russie? Vous avez bien eu vent de certaines tractations en cours et du voyage de l'Ambassadeur et de l'Attaché Militaire de l'U.R.S.S. à Moscou: ceux-ci avaient été reçus la veille de leur départ, le premier par M. de Ribbentrop, le second à l'Oberkommando de la Wehrmacht, et avaient été mis parfaitement au courant du point de vue du Gouvernement du Reich. Je ne puis vraiment pas vous en dire davantage, mais vous apprendrez un jour qu'il y a quelque chose en train à l'est.

[6] ... En bref, conclut X., la situation peut se résumer ainsi: les Polonais croient pouvoir étre insolents envers nous, se sentant forts de l'appui de la France et de l'Angleterre et croyant pouvoir compter sur l'aide matérielle de la Russie. Ils se trompent dans leurs calculs: de même qu'Hitler n’a pa cru pouvoir régler la question de l'Autriche et celle de la Tchécoslovaquie sans l'assentiment de l'Italie, de même il ne songe plus aujourd'hui à régler le différend germano-polonais sans la Russie.
Et X., s'animant de plus en plus, de déclarer: Il y a eu déjà trois partages de la Pologne; eh bien! croyez-moi, vous en verrez un quatriéme!

[7] ... In der sich anschließenden Unterhaltung kam Astachoff mit besonderer Ausführlichkeit wieder, wie er dies vor 14 Tagen bereits getan hatte, auf die Gestaltung der deutsch-sowjetischen Beziehungen zurück.
... Astachoff ging ausführlich darauf ein, daß keine außenpolitischen Gegensätze zwischen Deutschland und der Sowjetunion bestünden und daß infolgedessen kein Grund für eine Gegnerschaft der beiden Staaten vorläge.
... Auf eine Zwischenfrage von mir äußerte er sich über die englisch-sowjetischen Verhandlungen in dem Sinne, daß nach dem jetzigen Stande wohl kaum das von England gewünschte Ergebnis eintreten würde.
... In meinen Gegenäußerungen hielt ich mich zurück und veranlaßte lediglich durch Zwischenbemerkungen Astachoff zu einer breiteren Darlegung seines Standpunktes.

[8] ... Die Sowjetregierung könnte danach einer Wiederaufnahme der Verhandlungen erst dann zustimmen, wenn hierfür die notwendige "politische Grundlage" geschaffen sein werde.

[9] ... Nach bisherigem Ergebnis Ihrer Fühlungnahme mit Molotow ist es nötig, unsererseits nunmehr ganz stillzuhalten und abzuwarten, ob Sowjetrussen mit der Sprache weiter herauskommen.

[10] ... Der Herr Reichsminister hatte mir für die Besprechung mit Molotow äußerste Vorsicht anbefohlen. Infolgedessen habe ich mich damit begnügt, so wenig zu sagen wie möglich und dies um so mehr, als das Verhalten des Herrn Molotow mir recht verdächtig erscheint. Es ist gar nicht anders zu verstehen, als daß ihm die Wiederaufnahme unserer Wirtschaftsverhandlungen als politische Geste nicht genügt und daß er offenbar weitergehende Angebote politischer Art von uns haben will.

[11] ... Wenn man bei ihnen den Wunsch haben sollte, mit uns ein politisches Gespräch zu führen, so kann ich mir dies für meine Person durchaus als möglich vorstellen.

[12] ... In Wirklichkeit liegt die Sache doch so, daß Herr Molotow geradezu zu politischen Gesprächen aufgefordert hat. Unser Vorschlag, nur wirtschaftliche Verhandlugen zu führen, ist ihm ungenügend erschienen. Gewiß bestand und besteht die Gefahr, daß die Sowjetregierung deutsche Vorschläge zu einem Druck auf die Engländer und Franzosen benutzen wird.

[13] ... Gefühlsmäsig läge der Sowjetunion diese letzte Möglichkeit am nächsten, wobei weltanschauliche Fragen nicht mitzuspielen brauchten.

[14] ... Herr Draganoff wiederholte zum Schluß nochmals, daß er keine Anhaltspunkte dafür habe, warum ihm Herr Astachoff diese Eröffnung gemacht habe. Er erwog die Möglichkeit, daß dies doch mit der Absicht geschehen sei, daß Herr Draganoff uns darüber berichten werde.

[15] ... der Abschluß eines Nichtangriffspaktes oder die Bestätigung des Neutralitätspaktes von 1926 sein könnte bei gleichzeitiger Vereinbarung eines speziellen Protokolls, das die Interessen der vertragschließenden Teile an diesen oder jenen Fragen der Außenpolitik regelt und das einen integrierenden Bestandteil des Paktes bildet.

[16] ... POSTSCRIPTUM: Der gegenwärtige Pakt ist nur bei gleichzeitiger Unterzeichnung eines besonderen Protokolls über die Punkte, an denen die vertragschließenden Teile auf dem Gebiete der Außenpolitik interessiert sind, gültig. Das Protokoll bildet einen integrierenden Bestandteil des Paktes.

[17] ... erhob Herr Molotow sein Glas auf Herrn Stalin, wobei er bemerkte, daß es Stalin gewesen sei, der durch seine Rede vom März dieses Jahres, die in Deutschland gut verstanden worden sei, den Umschwung der politischen Beziehungen eingeleitet habe.